Yashica Medical 100 DX (Contax/Yashica)

Yashica-11Als ich dieses Objektiv das erste Mal auf EBay gesehen hatte, war ich sofort von diesem „Block“ fasziniert. Das Yashica Medical ist ein Makro-Objektiv mit eingebautem Ringblitz.Das interessanteste an dieser exotischen Linse ist allerdings das die Aufnahmegrösse stufenlos durch drehen des Tubus angepasst werden kann. Und das in einem Bereich von 1/1 bis 1/15 bei einer Naheinstellgrenze von 14,7cm / 1.5m.Das Scharfstellen des Aufnahmeobjektes erfolgt nicht wie bei herkömmlichen Objektiven über den Fokusring (…den dieses Objektiv gar nicht besitzt), sondern allein über die Entfernung zum Objekt.  Das arbeiten auf dem Stativ empfiehlt sich also nur wenn man über einen Makroschlitten verfügt. Yashica-12Andernfalls ist man mehr oder weniger gezwungen alle Aufnahmen freihändig aufzunehmen. Hier liegt dafür eine der Stärken dieser schweren Linse. Durch den eingebauten Ringblitz lassen sich bei einem Abbildungsmassstab von 1/1 immer noch Bilder Freihand aufnehmen. Durch die geringe Blitzreichweite (LZ 6.5 ISO 100) lassen sich kleine Objekte extrem gut vom Hintergrund freistellen, soll der Hintergrund mit zur Bildkomposition beitragen, wird einfach die Belichtungszeit entsprechend angepasst (bei mir hat sich dafür 1/10sek / ISO 400/Blitz: ASA L 160 als sehr gut herausgestellt.). Die Blende des Yashica Medical lässt sich nicht manuell verstellen, wird aber bei Veränderung des Auszuges automatisch nachgestellt, Sie reicht von ca. f/4-ca.f/22 (laut Anleitung). Als besonderes Gimmick sollte man noch die Einstelllampe erwähnen welche in den Ringblitz eingelassen ist, und bei Scharfstellen für „etwas“ Licht sorgt. Leider ist diese etwas schwach auf der Brust. 

Wie passt das Objektiv an die EOS DSLR?

Um das Objektiv an einer EOS/EF Kamera nutzbar zu machen, brauchte ich erst mal ein paar Kleinigkeiten. Folgende Probleme gab es zu lösen:

Yashica-16– Bei maximalen Auszug, ist die Blende auf f/22, das heisst im Sucherbild ist nichts zu erkennen, um trotzdem scharfstellen zu können, muss man eine Kamera mit LifeView verwenden. Bei mir kam hier die EOS50D zum Einsatz, einen Test mit der 1DMarkIII folgt später einmal.

– Das Objektiv ist so breit, das es nicht unter den Internen Blitz der EOS (XXXD, XXD)  passt. Es brauchte also etwas mehr Abstand zum Bajonett. Mit einem 12mm Zwischenring war dieses schnell gelöst.

Yashica-23– Der Interne Ringblitz arbeitet meinen Informationen nach mit einer Zündspannung von 250V!! Das ist ziemlich sicher der Tod für jede moderne Canon DSLR. Nach einiger Recherche in diversen Foren bin ich auf Hot-Shoe-to-Hot-Shoe Adapter gestossen welche über eine Sicherung verfügen die diese Spannung ausgleichen kann. Allerdings war mir immer noch mulmig bei dieser Lösung. Bei einem Internetanbieter habe ich schliesslich einen Blitzadapter mit Photomesszelle gefunden, der eigentlich dazu gedacht ist, alte Blitze kabellos über einen Masterblitz auszulösen. Genaueres aber später…

Yashica-14– Und zu guter letzt musste ein Adapter her, um das Objektiv irgendwie an den Body zu bekommen. Ich habe mich für einen Adapter mit AF-Bestätigung entschieden, da ich diesen auch für andere Objektive verwende. Ein normaler C/Y / EF Adapter ohne AF-Bestätigung sollte hier aber voll und ganz genügen.

Anschluss des Yashica Medical 100 DX

Zuerst wird der ganze Spass zusammengebaut. Also Zwischenring mit dem EF/C/Y Adapter versehen und an die Kamera gesetzt. Das Objektiv natürlich gleich danach auf die vorbereitete Kamera gesteckt.Yashica-15 Um die Messzelle des kabellosen Blitzadapters nicht vorzeitig auszulösen benötigt man einen Blitz den man Manuell steuern kann. Ich benutze hier den 580 EX II von Canon. Der Blitz wird ganz normal auf die Kamera aufgesetzt und im Menü (des Blitzes) auf M gestellt. Warum? Ganz einfach, der interne Blitz der meisten Canon Kameras ist ein E-TTL / E-TTL2 fähiger Blitz. Das heisst kurz vor der Aufnahme wird ein Messblitz ausgesendet und das dadurch entstehende Licht wird durch die aktuelle Linse gemessen. Leider löst dieser Messblitz bereits den Ringblitz aus. Es reicht völlig den Externen Blitz auf niedrigste Stufe zu stellen um hier Batterien zu sparen Yashica-18(Ich hab hier 1/128).Dass das Licht des Externen Blitzes die Aufnahme „kaputt“ machen kann, brauche ich hier, glaube ich, nicht zu erwähnen. Um dem vorzubeugen hab ich den Blitzauslöser und den Kopf des externen Blitzes kurzerhand in einen kleinen Lederbeutel gesteckt, wie auf dem Bild zu sehen ist.

Yashica-21 Yashica-19

Zu guter letzt wird noch das Energiepaket mit dem Objektiv verbunden, das ganze sollte dann in etwas wie oben auf den Bilder aussehen.

Arbeiten mit dem Yashica Medical 100DX

Für die Aufnahmen habe ich folgende Parameter durch herantasten für mich herausgefunden:
Belichtet wird ausschliesslich im M-Modus, dabei unterscheide ich zwei Modi. Zum einen Aufnahme des Objektes ohne Hintergrund, und mit Hintergrund.

Yashica-24Wenn der Hintergrund nicht Teil des Bildes werden soll, wird als Aufnahmezeit einfach die kleinste Blitzsynchronzeit an der Kamera eingestellt die möglich ist (in meinem Fall war das 1/250sek). Unterstütz der Blitz eine Highspeed-Synchronisation können auch kleine Zeiten eingestellt werden. Bei vollem Auszug besitzt das Yashica Medical eine Blende von 22. Viel Umgebungslicht wird dabei nicht aufgenommen, meist ist der Hintergrund komplett schwarz. Nur die Flächen die das Blitzlicht reflektieren sind hier im Bild zu sehen.

Yashica-2Soll der Hintergrund jedoch auf dem Bild zu sehen sein, geht man genau so vor als würde man Partyfotos machen, also einfrieren des Hauptmotivs mit Hilfe des Blitzes und längere Belichtungszeit um das schwache Umgebungslicht einzufangen. Eine Belichtungszeit von 1/10 bei ISO 400 hat sich hier als bester Kompromiss zwischen Verwacklungsgefahr und Aufnahmeergebnis erwiesen. Natürlich können durch erhöhen des ISO Wertes auch kürzere Zeiten eingestellt werden.

Nun geht es an das Motive suchen, ich empfehle einen Tag im Wald. Gut für die Gesundheit und gut um Erfahrungen mit der Linse zu sammeln, da sich nahezu hinter jedem Blatt, und unter jedem Stein irgendetwas befindet was man ablichten kann. Wie anfangs erwähnt, stellt man allein über die Entfernung scharf, da bei vollem Auszug und Blende 22 praktisch kein Bild mehr im Sucher zu sehen ist, empfehle ich eine Kamera mit LiveView. Das LiveView Bild wird nämlich nach besten Möglichkeiten „verstärkt“ so dass zumindest ein wenig zu sehen ist. Gerade in einem schattigen Wald sollte niemand auch nur annährend ein „normal“ helles LiveView Bild erwarten. Aber mit ein wenig Übung klappt das auch. Letztendlich hilft an dieser Stelle nur üben, üben und noch mehr üben. Yashica-8Wenn ihr glaub da geht nicht mehr, dann sei euch gesagt: „natürlich geht da noch was^^“ Derzeit verwende ich das Objektiv mit 100mm Zwischenringen (Summe) und einem fast schwarzen LiveView Bild, scharf gestellt wird ausschliesslich auf die Ränder meines Objektes und einem „gefühlten“ Ruck in die Richtung, in der ich gerne meine Schärfenebene hätte. Nach einiger Einarbeitungszeit klappt das mit ca. 50% Ausschuss, ist aber sehr vom Motiv abhängig.

Performance der Linse

Die optische Leistung des Objektives würde ich als O.K. bezeichnen. Keinesfalls produziert dieses grosse Stück Glas und Metall knackscharfe Bilder. Jedoch lassen sich die Aufnahmen leicht mittels EBV um einiges aufwerten. Klarheit und „Unscharf maskieren“, sowie der Schärfe Regler wirken Wunder. Auch 2/3 Blende überbelichten und danach mittels EBV wieder zurücknehmen wirken sich sehr positiv aus. Bleibt natürlich die Frage, warum so ein grosses, schweres, umständliches Makroobjektiv verwenden? Ganz einfach… es macht einen Mordspass damit zu knipsen. Ohne Stativ recht Bodennah im Wald nach Motiven suchen, und vor allem spontan auf solche reagieren zu können, macht hier einfach einen gewissen Reitz aus.

Zu guter letzt hier noch einige Bilder die mit der oben beschriebenen Kombination enstanden sind:(Natürlich alles Aufnahmen ohne Stativ Aufnahmen 2,3,4,6,7 mit 4 Zwischenringen mit einer Summe von ca. 100mm )

Yashica-6 Yashica-3-2
Yashica-10 Yashica-7
Yashica-4 Yashica-4-2
Yashica-9 Yashica

6 Comments

  1. by Pascal Stingl on 9 Februar, 2014  14:32

    Wenn ich Herrn Graumann richtig verstanden haben, dann nutzt er keine weiteren Teile sondern schliesst es einfach an. Sie können aber auch Herrn Graumann direkt kontaktieren (über die verlinkte Flickrseite in seinem Kommentar (Klick auf die Überschrift)).
    MfG

  2. by C.Meyer on 8 Februar, 2014  17:41

    Hallo, mir ist es auch gelungen das Objektiv der Dental eye II an einer Canon 500D anzubringen.
    Jetzt würde ich gerne den Blitz direkt am Blitzschuh anschließen wie Herr Graumann es beschrieben hat, wie muss ich es verkabeln? Danke für eine Antwort.
    C Meyer

  3. by Ari P on 8 August, 2013  21:52

    I also measured the trigger voltage and the result was 3,66 Volt.

  4. by Phothograf on 6 März, 2012  00:46

    Hallo Herr Stingl,

    ich habe ihre diversen Einträge in Foren zu diesem Objektiv gelesen. Ich besitze selber ein Yashica Medical und betreibe es problemlos ohne technisches Zubehör direkt am Blitzschuh. Die am Blitzschuh gemessene Spannung ist 3,92 Volt, d.h. keine Gefahr für eine Canon DSLR. Haben Sie mal die Spannung am Blitzschuh Ihres Yashica Medical gemessen ?

    Ich habe mit einer 1Ds Mark III einige Versuche mit 12 mmm Zwischenring gemacht. Störend ist leider die starke Vignettierung bei 1:1 Maßstab. Mit mehreren Zwischenringen haben Sie vermutlich maximal Blende 8 verwendet (1/6).

    Ansonsten ist das Objektiv absolut faszinierend und für den Preis (ich habe 150 Euro in neuwerigem Zustand bezahlt) bekommt man kaum ewas so Nützliches !

    Schöne Grüße
    T.Graumann

  5. by Kala on 10 Dezember, 2009  03:19

    Cool shots!

  6. by Framed and Shot on 7 Dezember, 2009  05:28

    That's some very good macro shots!! Impressive - keep up the good work!

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