Negativdigitalisierung mit der DSLR; Sinnvoll?

Nach dem ich durch ein paar Forenbeiträge wieder an das Leid erinnert wurde, welches man doch mit der Auswahl eines geeigneten Scanverfahrens hat, dachte ich mir lass doch mal deinen Gerümpel gegeneinander antreten“. Denn aus den wenigen verfügbaren Informationen im Internet vergleichende Aussagen zu bekommen, ist wahrlich nicht einfach. Am Ende soll es ja schliesslich eine Digitalisierungs-Methode werden die sich mit den eigenen Qualitätsansprüchen und auch mit der Portokasse verträgt. Denn dieses vorweg, scannen kann einen geldmässigen Aufwand von 0 bis 25000 Euro in Anspruch nehmen. Die günstigste Variante die keine weiteren Kosten nach sich zieht soll hier die Digitalisierung mittels vorhandener Ausrüstung sein.
Ich setzte an dieser Stelle voraus, dass jeder der fotografiert auch über eine Digitalkamera verfügt.

Zum Testsetup:

Es stehen folgende Möglichkeiten zur Digitalisierung für mich zu Verfügung:

1. Hobby-High-End Der Nikon 9000 ED
2. Solide Mittelklasse Epson V750
3. Die Selbstbauvariante DSLR + Makro Objektiv

Um einen besseren Vergleich machen zu können wird das 6×6 Negativ auf 5000 x 5000 Pixel skaliert. Das bedeutet für die Canon, dass das Bild vergrössert, und für die beiden Scanner, dass ihre Rohdaten verkleinert werden. Die Seitenlänge von 5000 Pixeln entspricht dann 25 Megapixeln. Diese Auflösung sollte für alle Aufgaben ausreichen und schont meinen Web-Server ein wenig.

Zur Aufnahmesituation:

Alle Aufnahmen wurden ohne Schärfung verarbeitet, das heißt vor allem für die Canon das die automatische interne Schärfung deaktiviert wurde. Im Praxiseinsatz gewinnen die Bilder noch stark durch eine leichte Schärfung und vor allem durch „Unscharf maskieren“.

Die Bilder mit dem Epson V750 wurden direkt im mitgelieferten Halter (ohne Glasbühne) eingescannt. Belichtet wurde wie bei allen automatisch.
Die Nikon Bilder sind fast genau so aufgenommen, es wurde lediglich eine Glasbühne verwendet.
Die Bilder mit der Canon wurden mit Hilfe eines Stativs, der Glasbühne des Nikon Scanners und einem Tablet-PC angefertigt.

Die Testbilder:

Die Testbilder sind zwei Aufnahmen mit ähnlichem Setup, beide 6×6 Negative, beides aus der Hasselblad 503CW mit gutem Glas. Das Farbbild ist ein ISO 800, das SW Bild ein ISO 400 Bild. Sicherlich nicht die perfekten Voraussetzungen, aber für diesen Vergleich sollten sie reichen.

Canon 5DMKII: LINK
Epson V750: LINK
Nikon 9000 ED: LINK

Canon 5DMKII: LINK
Epson V750: LINK
Nikon 9000 ED: LINK

Die Testbilder im Detail:

 

Zusammenfassung der Scans:

Die Scans zeigen „Oh Wunder“ einen eindeutigen Sieger. Wenig verwunderlich setzt sich der Nikon Filmscanner an die Spitze. Als einziger echter Filmscanner keine Überraschung. Der Scanner zeigt noch grosse Auflösungsreserven, eine gute Schattenzeichnung und gute Ergebnisse bei der Interpretation der Farben. Durch den Einsatz von Software lassen sich die Farben sicherlich korrigieren,  nur bin ich der Meinung, dass solche Dinge ohne großes Zutun zumindest ein Ergebnis liefern sollten das akzeptabel ist.
Zwischen dem Flachbettscanner (einem der besten seiner Klasse) und der 20 MP Canon liegt kein sehr großer Abstand. Hier profitiert der Scanner von der Grösse des Negatives. Würde es sich um ein kleineres Bildformat halten, denke ich, dass die Canon den Scanner hinter sich lässt. Zumindest in Sachen Auflösung. Betrachtet man die Gradation und die Schattenzeichnung, fällt auf, dass hier noch etwas Nacharbeit erforderlich ist. Generell ist Nacharbeit das Gebot beim arbeiten mit der DSLR. Das Bild muss invertiert werden, ggf. die Orangemaske korrigiert werden. Preisleistungstechnisch schneidet die DSLR aber auch im Bereich 6×6 hervorragend ab, solange die Kamera und das Objektiv vorhanden sind. Muss erst noch ein Makro gekauft werden, ist der Flachbettscanner preislich meistens schon in Reichweite.
Wenn nur Kleinbildnegativ (und vor allen nur S/W) kann ich einen Flachbettscanner kaum empfehlen.

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