Sigma DP1s vs. Canon 5DMKII / Zeiss ZF 28mm

Zum Erfahrungsbericht der Sigma DP1s hatte ich versprochen diese einmal mit einer konventionellen CMOS DSLR mit guter Festbrennweite zu testen. Dieses möchte ich nun natürlich einlösen. Durch einen Zufall bin ich an ein Zeiss ZF 28mm F2 gekommen, welches am Vollformatsensor so ziemlich der Linsen/Sensor Kombination (16mm;Foveon-Crop-Sensor) der Sigma DP1s entspricht. Das dieser Test weder fair noch representativ ist sollte jedem klar sein. Die Ergebnisse lassen sich durch viele Faktoren schwer vergelichen worauf ich aber später noch zu sprechen komme. Hier erst mal die nackten Zahlen der Kontrahenten:

Sigma DP1s:
4,7MP Foveon Sensor
16,6mm / F4  Festbrennweite
ca. 260g (mit Akku)
ca. 220€ gebraucht

Canon 5DMKII + Zeiss ZF Distagon:
CMOS KB-Format Sensor 21MP
28mm / F2 Festbrennweite
ca. 1400g (mit Akku)
ca. 2000€ gebraucht

Kommen wir zum Testaufbau, beide Kameras wurden jeweils mittels Schnellwechselplatte auf ein Holzstativ gespannt (beide auf das gleiche nacheinander, gleiche Platte). Die Belichtungsmessung stand bei beiden auf Blendenpriorität, im Mehrfeld-Modus. Beide Kameras wurden mittels 10s Selbstauslöser ausgelöst, die 5DMKII um fair zu bleiden zusätzlich mittel Spiegelvorauslösung (Spiegel klappt vorher hoch um Erschütterungen zu vermeiden). Das Stativ stand stabil auf der Fensterbank, ohne Ausziehen der Beine. Mit der Sigma wurde der mittlere Punkt mittels Autofokus scharfgestellt, bei der Canon/Zeiss Kombo natürlich mangels AF mit LiveView von Hand. Sollte aber hier nur eine geringe Auswirkung haben da wir in diesem Test die Kameras ab Blende 4 Vergleichen und die Tiefenschärfe sehr gross ist. Der Weissabgleich wurde von jeder Kamera automatisch vorgenommen.  Für die Testreihe wurde jeweils eine Blendenreihe aufgenommen. Anschliessend wurden folgende Schritte unternommen um die Bilder am Recher zu entwickeln:

Sigma Dp1s:
RAW Bild -> SIGMA Photo Pro 3 -> Belichtung korr. -> Ausgabe .jpg „gleiche Größe“

Canon 5DMKII:
RAW Bild -> Lightroom 3 -> Belichtung korr. -> Ausgabe .jpg (einmal Org. Grösse, und einmal Auflösung der Sigma 2640*1760px + Nachschärfung „Bildschirm“ niedrig)

Die Belichtung wurde angepasst, da die Messung leicht unterschiedliche Werte bei der Belichtung ergeben hat. Für Canon musste +0,5 Blenden nach oben und für die Sigma -0,5 Blenden korr. werden. Die Korrektur wurde so angepasst das die Histogramme fast Deckungsgleich sind. Normalerweise würde ich ein Testumfeld nie so genau beschreiben, hier allerdings bei dem wir ein 21MP mit einem knapp 5MP Bild vergleichen, sollten beide Bilder eine möglichst identische Ausgangsbasis haben. Fangen wir an mit den ersten Vergleichsbildern:

Runde 1:
Sigma .jpg volle Auflösung vs. Canon volle Aufösung (Crop unten rechts)

Nicht wundern das ganze Bild gibt es weiter unten. Für den Vergleich wurden ausschliesslich Crops aus der unteren rechten Ecke verwendet um den Unterschied deutlich zu zeigen. Alle enthaltenen Bildfehler zeigen hier die deutlichste Ausprägung. Zur ersten Runde, natürlich ist die Canon Auflösungstechnisch VIEL stärker. Wie auf dem Bild zu sehen haben wir im RAW eine sehr hohe Informationsdichte, ein Crop wäre ohne Probleme immer möglich. Bei der Sigma sieht das schon magerer aus, hier solte der Bildauschnitt bei der Aufnahme sehr präzise ausgewählt sein um nichts zu verschenken. Die Aufnahmen sind mit Blende 8 entstanden. Was bei der Aufnahme aber sehr deutlich auffällt ist die sehr gute Abbildungsleistung in den extremen Ecken des Bildes, sowol die Sigma, als auch die Zeiss Linse erhalten sehr viele Details und verzerren das Bild kaum. Ein paar Cromatische Aberrationen sind aber in beiden Bildern zu erkennen (beim Sigma nach dem hochrechnen).

Runde 2:
Sigma .jpg volle Auflösung vs. Canon 4,7MP (runtergerechnet, nachgeschärft)(Crop unten rechts)

Für die zweite Runde verwende ich herunterskallierte Bilder um die Kameras besser vergleichen zu können. Das die Canon auflösungsstärker ist haben wir ja schon festgehalten und soll weiterhin keine große Rolle mehr spielen. Auch vor dem Hintergrund das man auch von 4,7MP einen A3 Ausdruck anfertigen kann (150ppi). Sicherlich sieht man am Ende den Unterschied, aber bei einem normalen Betrachtungsabstand ca. 1-1,5m relativert sich das schnell. (Kleiner Tipp für die Sigma Bilder ->SIGMA Photo Pro 3 -> .jpg Export mit doppelter Größe -> Gimp 2.x -> unscharf maskieren mit 2.0 / 0,50 / 0) . Selbst einen 1MP Crop aus einem Sigma Bild habe ich so schon auf A4 gedruckt, und das Ergebnis sieht super aus. Hier darf man nicht zu schnell in alte Muster verfallen und die Auflösung der CMOS & Foveon Sensoren direkt miteinander zu gleichen. Generell Teile ich den Eindruck einiger anderer Testseiten das die Foveonauflösung einer Sensorschicht ca. 2x so viel Information aufzeichnet wie ein CMOS Sensor. Der 4,7MP (4,7*3 liesst man oft in Werbeprospekten aufgrund der drei Sensorschichten auch 15MP kann man des öffteren sehen) Foveon verhält sich also eher wie ein ca. 10MP CMOS Sensor (Im Druck). Das bassiert allerdings auf persönlichen Beobachtungen welche ich nicht mit Messungen belegen kann. Nun aber zu den Bildern, von oben nach unten ist hier eine Blendenreihe zu sehen mit F4, F5.6, F8, F11. Blende 8 stellt für beide meiner Ansicht nach das Leistungsmaximum dar. Was hier deutlich wird ist, dass das Zeiss eine viel konstantere Abbildungsqualität liefert als die Sigma. Erst ab Blende 8 erreichen beide ein ähnliches aber immer noch nicht gleiches Nivau. Es ist trotzdem beachtlich wie gut die Sigma hier mithalten kann. Ein weiterer Punkt der hier sehr schön sichtbar wird, ist die den Zeiss Linsen (auch den Leica´s) oft zugeschriebene warme Wiedergabe der Farbtöne, die Sigma liefert wie zu sehen eher ein kühles Bild.

Runde 3:
Sigma .jpg volle Auflösung vs. Canon 4,7MP (runtergerechnet, nachgeschärft)

 

 

Canon/Zeiss: Jeder der einmal mit der Sigma gearbeitet hat wird schnell die Entwicklungsmöglichkeiten sehen welche das Sigma .x3f RAW bietet. Gerade das Fülllicht wird quasi zum Standard-Regler. Um die Entwicklungsmöglichkeiten zu zeigen habe ich das Bild mit der Blende 8 einmal vom Canon RAW in Lightroom entwickelt und exportiert. Das erste Bild ist das Ausgangbild welches auch für Runde 1 verwendet wurde, das zweite ist das fertig entwicklte Bild aus Lightroom. Die Entwicklung selber ist natürlich Geschmackssache. Es sollte natürlich erwähnt werden das die Bearbeitung in LR mich wesentlich mehr Zeit gekostet hat, dies ist aber 100% Benutzer abhängig.
 

Sigma: Wie vorher schon erwähnt unterscheiden sich beide Ausgangbilder schon im Farbrendering, jetzt wird die eher bläuliche Farbwiedergabe der Sigma, bzw. die wärme Wiedergabe der Zeiss/Canon Kombination (Wolken) sichtbar (Bezogen auf das Bild welches sich mir bei der Beobachtung der Szene bot). Bild 3 ist nebenbei auch das Bild bei Blende 8 welches in Runde 1 verwendet wurde, Bild 4 das fertig bearbeitete aus dem Sigma RAW Entwickler. Mir gefällt an dem Sigma Fülllicht das es nicht ganz so aufdringlich wie eine HDR bzw. pseudo HDR Bearbeitung wirkt, aber trotzdem eine ähnliche Wirkung entfalltet. Auch die Geschwindigkeit bei der Bearbeitung ist gerade für PC Muffel Interessant, ich brauche selten länger als 30-60sek pro Bild die 7 Regler einzustellen. Größter Nachteil aus meiner sicht ist allerdings das die Sigma Bilder bearbeitet werden sollten, die .jpg der Canon/Zeiss Kombi wirken meist besser. Die Sigma Bilder dagegen ohne Bearbeitung etwas flau.

 Fazit:

Natürlich  liefert die Canon insgesamt die qualitativ besseren Bilder. Ein Aspekt den ich bis jetzt bewusst aussen vor gelassen habe ist die doch relativ kleine Aufangsblende der Sigma und doch recht beschränkte Möglichkeit der ISO Einstellung. Direkt gegenübergestellt heisst das im Klartext: Mit der Canon sind ISO 1600 mit ISO 400 der Sigma vergleichbar, betrachten wir jetzt auch die Anfangsblende von F2 bei Zeiss zu F4 bei der Sigma ergeben sich schon 4 Blenden Unterschied, was in der Praxis natürlich einen sehr grossen Unterschied macht. Arbeitet man immer mit einem Stativ fällt dieser Vorteil natürlich weniger ins Gewicht. Auch darf man nicht vergessen das die Sigma eine fest verbaute Linse besitzt und definitiv nicht so variabel wie ein SLR System ist, das ist aber auch nicht ihr Anspruch. Was dieser Vergelich gezeigt hat, ausser das ein Vergleich schwierig ist, ist das die Sigma eine Abbildungsleistung auf sehr hohem Niveau besitzt, welche nur unter der etwas zu geringen Auflösung leidet. Alle anderen Aspekte, positive wie negative wurden von mir schon im letzten Erfahrungsbericht genannt und sollen hier nicht nocheinmal plattgetreten werden. Zum Schluss noch eine Bemerkung, alle Bearbeitungen habe ich nach persönlichen Geschmack getroffen es ist natürlich möglich das einer von euch auf andere Ergebnisse aufgrund eines anderen Workflows kommt. Um die ganze Sache am Ende fair zu halten hier die Org. Raw Bilder des Testes:

CR2 (Canon RAW) / X3F (Foveon RAW)
DNG (Herstellerunabhängig)

 

Danke für euer Interesse und viel Spaß mit eurer Photographie

Nachträgliche Änderungen: Neuformulierung des Aschnittes 3 der Sigma, danke für die Kritik an User Ruffus200o aus dem DSLR-Forum

2 Comments

  1. Pingback : Sigma DP1s und DP2s mit Faveon X3 Sensor - perfekt unperfekt | Fotoflucht

  2. by Planet on 16 Dezember, 2010  00:01

    Was für eine g**** Webseite!

    Wenn man die Bilder vergleicht, ist man versucht, sich umgehend in der Bucht eine DP1 zu schießen. Sigmas kompromissloses Konzept hat auch einfach Charme und Charakter, vielen Dank für den Tipp!
    Die beste Kamera ist immer die in der Hosentasche - so gesehen hat die Sigma hat das Zeug, meine Yashica T4 zu ersetzen... Besser als die olle Nikon Cp 5K ist sie allemal.

    Der Euro ist bald sowieso nichts mehr wert und wer schleppt schon seine 5D auf ein Punkrock-Konzert? Für diese Fälle nutze ich, wenn die Batterie der T4 mal wieder leer ist, eine der beiden Canon D60 (à 200 Euro) mit 16mm Zenitar (60 Euro Forumspreis). Ob die Dinger wirklich magensaftresistent sind, ist schwer zu beurteilen, jedenfalls fiel eine D60 mal aus knapp zwei Meter Höhe auf den Steinfussboden eines Nordholländischen Imbisses und blieb heil. Die 5D ist so etwas wie ein Suoer-Tele: man braucht es, aber weil es so teuer ist, schleppt man es nicht ständig mit sich herum. So bleibt es geschont.

    Zum Test: da ist etwas, was ich mir wirklich nicht erklären kann. Ein Freund besitzt die 1DS MK II und zwei AE Contax Distagone 2.8/28. Ich habe die 5D und zwei MM 2.8/28. Bei seiner Kombination ist ab Offenblende in sich wiederholdenden Strukturen heftiges Moiree sichtbar. Bei der verhältnismässig moderaten Auflösung der 5D fällt der Effekt nicht so ins Gewicht, aber die 28mm MM Distagone zeichnen auch bei meiner Cam ab Offenblende über die gesamte Bildfläche scharf. Für die teuerste Version wechselten 120 Euro den Besitzer.

    Wenn das Zeiss nicht ab Werk "passend" geliefert würde, würde ich bei Deinem Setup auf ein Adapter-Problem tippen. Strange.

    Sieht man sich die Ergebnisse Deines Tests an und erwägt dabei den Kosten-Nutzen-Faktor, gewinnt die Sigma trotz dieser Einwände den Charakterpreis und ich werde mir stantepede eine zulegen. Thx.

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