Meyer Görlitz Trioplan 2.8/100mm


Wie sagt der Photographenmund: „kommt Zeit, kommt Glas“. Dieses mal möchte ich euch ein ganz besonderes Stück vorstellen, es handelt sich um das Meyer Görlitz Trioplan 2.8/100mm in der M42 Ausführung. Das Objektiv fällt an einer modernen DSLR Kameras schon durch seinen leichten und glänzenden Aluminiumkörper auf. Durch den vollständige Fertigung in Aluminium ist das Objektiv trotz Metallkörper sehr leicht. Der für die Zeit typische Dreilinser in drei Gruppen wurde von 1951-1957 hergestellt. Der Nachfolger dieser Optik das Meyer Trioplan N 2.8/100mm (zu erkennen an dem schwarzen Objektivkörper wurde bis 1966 hergestellt. Beide stammen aus dem Volkseigenen Betrieb (VEB) „Feinoptisches Werk Görlitz“ . Das Objektiv besitzt eine stufenlose Blende mit 15 Lamellen welche sich Stufenlos verstellen lässt. Das rote V am Objektivkopf weist übrigens auf eine vergütete Frontlinse hin, welche einfach durch eine leichte Blaufärbung zu erkennen ist. Eine Sonnenblende ist fest verbaut. Mit dem Meyer Primoplan könnte dieses Objektiv fast eine neue Objektivklasse bilden, die der „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ kurz DJMH (*g*). Beide Objektive haben eine sehr dominante Eigenschaft beide bilden bei Offenblende sehr weich ab, und liefern eine recht „duftige Schärfe“ und einen schimmernden Glanz über das ganze Bild. Blendet man jedoch die Objektive leicht ab, so verschwindet dieser Effekt so gut wie komplett. Jetzt sieht man ein moderat scharfes Bild, welches sich kaum von anderen Dreilinsern dieser Brennweite unterscheidet. Dieser Effekt bescherte dem Objektiv einen recht hohen Bekanntheitsgrad, entsprechend entwickeln sich auch die Preise die man für diese Linse hinlegen muss. Wer wirklich an diesem Stück interessiert ist sollte aufpassen hier nicht zu viel zu bezahlen (Preise zwischen 30-60Euro sind gerade noch o.K. aber auch schon hoch angesetzt). Kommen wir nun zur Abbildungsleistung der Linse, das Trioplan besitzt mit jeder Blendenöffnung eine gewisse Grundschärfe, diese versteckt sich gerade bei Offenblende unter dem teils sehr penetranten Schimmer.

Das Trioplan am Balgen

Dieser Schimmer trägt zwar maßgeblich zum Bildergebnis bei, lenkt aber ab und zu schon sehr stark vom Motiv ab. Wer diesen unterdrücken möchte blendet auf Blende 4 ab. Aufgrund dieser Eigenschaft würde ich das Trioplan für den heutigen Einsatz an modernen DSLR`s auf den einer Effektlinse beschränken. Wer gezielt nach diesen Effekt sucht wird im Trioplan fündig. Der Schimmer hat jedoch eine weitere Schattenseite, dieser legt sich nicht nur auf das fertige Bild sondern logischerweise auch auf das Sucherbild. Das genaue scharfstellen ist dann selbst mit LiveView etwas eingeschränkt. Hier empfiehlt es sich erst auf Blende 4 oder 3.2 zu gehen, zu fokussieren und dann erst auf Offenblende zu wechseln. Natürlich kann sich ein gewisser Fokus-Fehler durch Straffung der Tiefenschärfe einschleichen. Das Bokeh des Trioplan reicht von schön matschig weich, bis zu einer kreisrunden Darstellung der Unschärfe. Am Balgen verläuft das Bokeh dann vollständig hier sind nur noch wirklich fokussierte Bereiche im Zentrum der Betrachtung alles andere wird fast unkenntlich gemacht. Die Restlichen Abbildungseigenschaften entsprechen der Erwartung, Chromatische Aberrationen die  gerne in den roten Bereich absacken, und eine teils heftige Vignette (bei Offenblende am Vollformat) zieren das Bild häufig. Die CA lassen sich aber weitestgehend durch Abblenden verhindern. Die Beispielbilder wurden alle mit einer Canon 5DMKII angefertigt, für Beispielbilder von Crop-Kameras schaut doch bitte hier: Meyer Trioplan 2.8/100 (Link in den DCC).

Vergleichsbilder für die schimmernde Darstellung bei Offenblende, jeweils eine Aufnahme bei 2.8 und 4.0

Beispielbilder für die optische Leistung der Linse:

Im Rahmen der Testreihe ist auch eine kleine Serie entstanden, welche im Gegensatz zu den Testbildern schon bearbeitet ist. Die Bilder entstanden meist mit einer Blende von 22 einem 2 fach Neutraldichte Filter und ISO 50. Zu finden ist diese Reihe unter: Digicamclub-Post

Andere Testberichte:

Willi Bauer: www.manuelle-objektive.de

Quellen:

Produktionszeitraum: Dresdener Kameras
Mehr Bilder auf Flickr: Klick mich
Post im DCC: Kick mich

11 Comments

  1. by Nico on 11 Januar, 2016  12:59

    So steigt der Preis von 30-60€ Maximal auf 500 - 600€ bei Ebay (Januar 2016)...

    Kein Kommentar.

  2. by Matty on 18 August, 2013  11:20

    Hallo Pascal,

    Danke für Deinen Bericht. Seit wenigen Wochen habe ich über Ebay auch ein Trioplan 100 mm M42 gekauft (frag besser nicht nach dem Preis) und sehe das ganze als kleines Experiment.

    Zunächst dachte ich, es wäre nicht möglich, mit dem Objektiv an einer Nikon Kamara auf unendlich zu fokussieren und wollte es ja sowieso nur für den Einsatz im Nahbereich. Allerdings habe ich einen Adapter mit Korrekturlinse gekauft. Im Prinzip funktioniert der Anschluss an die Kamara damit auch ganz gut und die Bilder werden scharf. Allerdings frage ich mich, ob und wieweit die Korrekturlinse das einzigartige Bokeh bei Offenblende beeinflusst. Hat irgendjemand damit Erfahrung? Ich meine, ich habe 2, 3 ganz nette Bilder mit ein paar der runden Unschärfekreisen hinbekommen, aber ich habe ja keinen Vergleich, wie die Fotos mit einem Adapter ohne Korrekturlinse ausgesehen hätten. Wäre sehr dankbar für einen Tip!

    Gruß, Matty

  3. by Pascal Stingl on 22 Februar, 2013  18:54

    Hallo Andreas, das ist ganz einfach. Der M42 ist ein Schraubgewinde, sieht also aus wie einer überdimensionale Schraube mit einem Durchmesser von 4,2 cm. Der Exacta Anschluss ist ein sog. Bajonettverschluss, dieser wird nur eingerastet.

    Auf dieser Seite gibt es sonst auch Bilder zum Vergleichen, dort findest du beide Bajonette:
    http://rick_oleson.tripod.com/index-99.html

    Hier findest du übrigens mehr Informationen zum Trioplan (Anmeldung erforderlich um Bilder zu sehen glaube ich, ist aber die beste Adresse für alte Linsen im deutschsprachigen Raum)
    http://www.digicamclub.de/showthread.php?t=12711&highlight=Trioplan

    Hoffe das hilft dir
    Gruss Pascal

  4. by andreas on 22 Februar, 2013  18:44

    Hi, woran erkenne ich denn eine Exacta bzw. eine M42, danke

  5. by Pascal Stingl on 10 Oktober, 2012  16:53

    Das war 2010 auch tatsächlich Realität. Ich hatte meines für knapp über 60€ aus Griechenland via Ebay gekauft. Aber es wird leider immer schwerer dieses gute Stück zu finden. Ich denke Geduld ist hier ein guter Ratgeber. Ansonsten:
    www.ebay.de
    www.keh.com
    www.leicashop.com
    und natürlich die Kamerabörsen im ganzem Land (z.B. Hamburg & Frankfurt)
    Viel Glück

  6. by Nici on 10 Oktober, 2012  14:35

    Zitat: "Wer wirklich an diesem Stück interessiert ist sollte aufpassen hier nicht zu viel zu bezahlen (Preise zwischen 30-60Euro sind gerade noch o.K. aber auch schon hoch angesetzt)."

    Das sagt sich leicht - aber wo bekommt man das Objektiv zu diesem Preis her?
    lg

  7. by Joe on 4 Oktober, 2010  21:05

    Hallo Pascal,

    nun hat der Link geklappt. Interessante Berichte hast du auf deiner Website.

    LG Joe

  8. by Pascal Stingl on 4 Oktober, 2010  14:36

    Aber gerne dich ich nehme dich nachher fix als weiterführende Quelle in den Beitrag auf.

    Grüsse Pascal

  9. by Willi Karl Christian Bauer on 4 Oktober, 2010  13:49

    Hi Pascal, schöner Bericht, danke!
    Hinweis: mein DCC-Bericht stammt ursprünglich von meiner website "manuelle-objektive.de" und steht nun hier: http://test.manuelle-objektive.de/objektiv-berichte/meyer-goerlitz-trioplan-2-8-100
    Wäre schön, wenn wir uns gegenseitig verlinken - was meinst du?
    Ciao
    praktinafan

  10. by Pascal Stingl on 4 Oktober, 2010  09:57

    Hallo Markus, danke für den Hinweis der Link ist nun richtig gesetzt. Stimmt die Darstellung von Lichtpunkten im Bokeh wäre noch einen Satz wert, ich schau mal ob ich dort noch entsprechendes Bildmaterial finde. LG Pascal

  11. by Markus on 4 Oktober, 2010  09:33

    Hi!

    Ich glaub Du solltest mal die Verlinkung bei den Brunnenbildern prüfen - ich bekommen da immer nur Architektur Stadtansichten :-)

    Das besondere Verhalten von unscharfen Lichtpunkten bei Offenblende wäre vielleicht noch interessant. Also so in etwa wie hier:
    http://4photos.de/galerie/Natur/slides/Meyer-Trioplan100.html

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