Zeiss Mirotar f8/500mm – Das Hosentaschentele

Einen wunderschönen guten Tag, heute will ich mich mit einer Linse befassen die relativ selten im Web auftaucht. Vor allen wenn man nach neueren Bildbeiträgen sucht. Ein Grund dafür das dies die erste Linse war, für die ich mich bewusst auf Grund MTF-Kurven entschieden habe. Und dies vorweggenommen, ich wurde nicht enttäuscht. Die Linse die ich heute vorstellen möchte trägt die Bezeichnung Zeiss Mirotar 8/500mm und wurde für die Contax SLR gebaut. Nach meinen Informationen gibt es diese Linse ausschließlich mit einem Contax/Yashica Bajonett. Nebenbei, das war die letzte Linse die für die Contax SLR vom Zeiss gebaut wurde bevor die Serie eingestellt wurde. Das Mirotar gehört zur Klasse der Spiegelteleobjektive, welche meiner Meinung nach zu oft verschrien sind als nicht brauchbar. Aber erst einmal zu den handfesten Daten. Das Zeiss Mirotar 8/500 bringt ca.800g auf die Waage und ist 11,3cm kurz, bei einem Durchmesser von 88mm. Der Blickwinkel beträgt, typisch für die Brennweite, 4.9°. Die kürzeste Aufnahmeentfernung ohne Zwischenringe beträgt 3.5m. Ein Fakt der mir von vorne rein sehr negativ aufgefallen ist, ist das Fehlen einer Einrichtung für Einschubfiltern , so muss man hier bei Bedarf auf das 88mm*0.75 (!!!) Filtergewinde setzen. Leider sind Filter für diese Größe sehr teuer. Zum Glück fallen mir relativ wenig Situationen ein, in denen ich bei 500mm einen Filter benötige. Einzig ein Graufilter zum filmen wäre meiner Meinung nach noch interessant. Typisch für die Contax Reihe von Zeiss kommt auch dieses Objektiv mit einer eingebauten Sonnenblende, welche sich bei Bedarf ausziehen lässt. Ein Stativanschluss rundet das ganze noch ab. Oberhalb des Stativanschlusses befindet sich eine Arttierschraube mit dieser die Kamera schnell von Hoch auf Querformat gedreht werden kann, auch jeder andere Winkel dazwischen ist möglich.

Allgemeines zu Spiegelteleobjektiven:
Die Objektivklasse erlebte in den 80er Jahren ihren Höhepunkt, wurde aber schnell durch lichtstärkere Systeme z.T. mit Autofokus aus dem Markt verdrängt. Auch das Bokeh hat nie viele Freunde gefunden und sorgt, auch heute noch, bei vielen Fotobegeisterten zu reflexartigen verachtenden Spontanreaktionen beim Anblick der Bilder. Heute werden diese Objektive vor allen in der Astrophotographie verwendet, dort spielt die Abbildung des Bokeh keine Rolle. Auch in der Industrie & Nachtsichttechnik finden diese heute noch Verwendung. Wer sich hier noch genauer über Nachtsichtobjektive für SLR’s informieren möchte sollte sich mal das Datenblatt des N-Mirotars ansehen dieses gute Stück kommt auf eine um 11 Blendenstufen höhere Belichtungsstärke als ein f1.4 Objektiv (ist aber selten und unbezahlbar, wer einige Testshoots von dieser Linse hat, kann mir diese gerne mal zukommen lassen). Das grösste Kapital der Linsen ist heute, die große Resistenz gegenüber Farbfehlern. Die in Fotokreisen bekannsten Vertreter sind wohl das Jena Reflex 1:5,6/1000 mm und die sog. Russentonne (MTO 10/1000), beide Vertreter sind oft bei Astrofotographen und neugierigen Amateuren anzutreffen. Gerade die „Russentonne“ besitzt einen sehr niedrigen Preis, so das einige einfach nur mit 1000mm Brennweite „spielen“ wollen. Natürlich hat fast jeder Hersteller einmal ein Spiegelobjektiv im Programm gehabt, die meisten sind aber heute nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu finden, Ausnahmen inklusive.
Spiegelteleobjektive besitzen einige sehr charakteristische Eigenschaften:

Positiv:
sie sind sehr leicht
sie sind sehr klein (bezogen auf die Brennweite)
sie sind völlig frei von Farbfehlern

Negativ:
sie haben ein schwer zu versteckendes Bokeh (Motivabhängig)
sie sind lichtschwach
sie sind schwer zu fokussieren (f8 ist nicht gerade meine Lieblings-Blende für den Fokus)

Es gibt nur wenige Vertreter dieser Objektivklasse die einige Nachteile kompensieren können, allerdings erkaufen diese sich das oft durch ein sehr viel höheres Gewicht. Siehe z.B. das Vivitar Series 1 450mm f/4.5 (Hier zu sehen bei mflenses.com).

Arbeiten mit dem Zeiss Mirotar 8/500mm:
So perfekt die MTF-Kurven auch aussehen mögen, das Mirotar ist eine Zicke! Neben dem Yashica 100DX war das Mirotar das Objektiv, für das ich die längste Einarbeitungszeit brauchte. Ein Grund hier für war die wirklich geringe Tiefenschärfe an der Naheinstellgrenze. Laut DOF-Rechner ganze 10cm, gefühlt aber weniger. Selbst mit Schnittbild-Mattscheibe ist hier viel Geduld, und vor allem Übung gefragt (Selbst der Sucher der 5DMKII ist hier ziemlich dunkel). Die AF-Confirm Leuchte bietet zwar ein gute Hilfe, sollte aber (bei Canon Kameras der neueren Generation 50D, 5DMKII usw.) noch justiert werden. Die Anpassung sollte mit einem Objekt vorgenommen werden, welches sich in einer für euch typischen Entfernung aufhält (z.B. Vögel ~10m), liegt aber bei euch. Über LiveView verfügt kann dieses auch nutzen. Neben dem erkennen des genauen Punktes der Bildschärfe folgt bei Auslösen gleich das zweite Problem: „die Belichtungszeiten“. Nach der schönen Formel:
Minimale Belichtungszeit = 1/Brennweite*Crop-Faktor werden für eine 40/50D ganz schnell 1/800sek nötig um aus der Hand eine möglichst hohe Chance zu haben ein verwacklungsfreies Bild zu erhalten. Das die Zeiten nicht immer einfach erreicht werden können, gerade bei einer Fix-Blende von f8 sollte jedem klar sein. Da helfen nur 2 Sachen, entweder ISO rauf oder ein Stativ benutzen. Ich benutze hier meist ein Stativ, heißt aber nicht das Schnappschüsse aus der Hand generell unmöglich sind (brauchen nur einiges an Übung). Wer die Anschaffung dieser Linse plant sollte sich im klaren darüber sein, das ein großer Teil der Bilder wahrscheinlich bei ISO400+ entstehen wird. Eine Kamera die relativ unanfällig für „Rauschen“ ist sollte hier schon vorhanden sein. Dieses sind aber generell Überlegungen die ihr bei jeder längeren Brennweite machen solltet. Ist die Linse aber erst einmal gebändigt erhält man wunderbare Ergebnisse, welche sich auch bei 100% Ansicht sehr gut sehen lassen. Dazu im nächsten Teil mehr.

Bildqualität und Reserven des Zeiss Mirotar 8/500mm:
Die Bildqualität ist bei korrekter Beachtung aller Parameter, kurz gesagt gut bis sehr gut. Vor allem die Schärfe liegt auf einem hohem Niveau. Kontrast und Mikrokontrast haben allerdings hier und da mit der Konstruktion der Spiegellinsenobjektive zu kämpfen. Gerade neuere Linsen-Objektive (aus dem gleichem Preissegment) liefern hier spürbar bessere Ergebnisse. Die Firma Zeiss hat dieses aber relativ gut in den Griff bekommen, so ist der Kontrastabfall lange nicht so groß wie bei anderen Vertretern dieser Klasse.Unter normalen Umständen ist nur ein sehr leichter Abfall der Schärfe/Beleuchtungsstärke in den Rändern zu erkennen, im großen und ganzen bildet das Objektiv auf der gesamten Bildfläche gleichmäßig ab.Ein wenig Nachbearbeitung kann gerade hier Wunder wirken. Durch ein fehlen der Farbfehler lässt sich die Sättigung und der Kontrast schnell ein wenig anheben ohne das störende Farbsäume gleich zum Blickfang für den Betrachter werden. In Lightroom darf auch gerne der Klarheit-Regler um +10 verschoben werden (Alternativ: Unscharf maskieren in Photoshop & Gimp). Beides kann als Vorlage abgelegt und schnell auf jedes Bild angewendet werden. Nun folgen erst mal ein paar Beispielbilder welche mit dem Objektiv entstanden sind. Sortiert nach Kamera, verwendet wurden die Canon EOS 50D und die EOS 5DMKII. Die meisten Bilder vom Stativ mit Spiegelvorauslösung. Natürlich wurde auf eine Nachbearbeitung verzichtet, lediglich die Umwandlung nach .jpg wurde in Lightroom vorgenommen.

Beispielbilder an der Canon EOS 50D

Beispielbilder an der Canon EOS 5DMKII

Fazit und abschließende Worte
Das Zeiss Mirotar 8/500mm ist mit Sicherheit keine Linse die einen großen Hype auslöst, jedoch erfüllt sie ihren Zweck mit Glanz. Farbwiedergabe und Schärfe spielen hier auf einem hohem Niveau. Bei der fummeligen Arbeit während der Aufnahme, und den vielen Einschränkungen sollte man sich doch als normaler Mensch fragen:
„Warum tue ich mir das eigentlich an?“. Ich persönlich hatte vor dieser Linse schon ein paar lange Brennweiten u.a. ein Canon EL 4/300mm L IS USM & ein Asahi Super-Takumar 4.5/500mm nur sind die meist aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichtes nicht oft in meine Phototasche gewandert. Das Canon ist mittlerweile verkauft, und ich habe es bis jetzt keinen Tag vermisst (ist ein geiles Teil keine Frage). Das Mirotar allerdings ist nun eins meiner Objektive die ich immer dabei habe, neben dem 50er Makro-Planar das dies einen Stammplatz in meiner Phototasche erhalten, da es kaum größer als ein 100mm Linsenobjektiv ist. Kurz: Ich bin zufrieden.

Fragen beantworte ich gerne zu diesem Objektiv, auch zu den gezeigten Bildern bzw. den Aufnahmeparametern.
Weiterhin viel Spaß mit dem Medium Photographie wünscht Pascal

Weiterführendes:
MTF Kurven und Datenblatt vom Hersteller – KLICK MICH

Verwendete Quellen:
olympedia.de – KLICK MICH
mylenses.com – KLICK MICH

3 Comments

  1. by Pascal Stingl on 27 Januar, 2012  11:20

    Attraktiv ist auch der Einsatz an den neueren MFT Kameras mit Crop Faktor 2.
    Die interessanteste Aufnahme die ich mit dem Setup gemacht habe war ein Baseball Spieler wärend des Schlag von vorne (dabei auf einer Linie mit der Werfer).

    Gruss Pascal

  2. by Wolf Rainer Schmalfuss on 27 Januar, 2012  09:12

    Ich habe mit diesem Spiegelobjektiv (damals Leihgabe von Kyocera) an der CONTAX RTSIII schon mal eine Tennisspielerin durch einen Maschendrahtzaun aus einiger Entfernung beim Spielen auf dem Tenniscourt unbemerkt freihand (!) fotografiert. Die Aufnahmen waren knackscharf und die Dame war sehr erstaunt darüber, wie ich diese Fotos gemacht habe.

    Gruß

  3. by Fraenzel on 17 Juli, 2010  21:33

    Hallo Pascal,
    danke Dir für Deinen sehr kompetenten Testbericht des Mirotars.
    Ich sehe für diese Brennweite vor allem den Bereich Wildlife-Fotografie als Einsatzgebiet.
    Allerdings würde ich mir eher eine Öffnung um 1:5,6 bei dieser Brennweite wünschen - was natürlich zu lasten der Größe geht.
    Ein nettes Motiv für Dein Mirotar wäre sicher noch der Mond an Deiner 50D...
    Gruss Fraenzel

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