Zeiss Makro-Planar T* 1:2/50mm ZE

Der Osterhase meinte es dieses Jahr ziemlich gut mit mir, o.k. vielleicht habe ich etwas nachgeholfen. Pünktlich einen Tag nach Ostern bekam ich die Versandbestätigung und zugesagt dass die Linse bald eintreffen sollte. Mittwoch war es dann soweit, meine erste „aktuelle“ Zeiss-Linse lag in meinen Händen. Zeiss hat mit dem 2/50mm Makro-Planar eine eher ungewöhnliche Linse kreiert. Die maximale Blendenöffnung von f2.0 erscheint vielen zu klein, um dieses Objektiv als „Immerdrauf“ zu nutzen. Die alternativen (z.B. das 50mm/f1.4 HSM von Sigma, oder den 50mm f1.8 EF alias Joghurtbecher, usw.) besitzen hier schon mehr Lichtreserven. Auch der maximale Abbildungsmaßstab von 1:2 spricht nicht gerade für ein Sorglos-Paket. Viele andere Makro-Objektive trumpfen hier bereits mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 (ganz vorne weg, das Tamron SP AF60mm F/2.0 Di II LD). Wir haben hier also eine beschnittene Standardlinse, und ein Makro welches gar nicht so weit heran kommt wie andere. Ein Bereich allerdings, der von allen anderen Linsen nicht einmal annähernd erreicht wird, ist die hervorragende Verarbeitung. Zeiss hat hier eine formschöne, wenn auch etwas große, Linse abgeliefert (drauf bezogen das dieses „nur“ ein 50mm mit einer Anfangsblende von 2 ist). Ausschließlich Glas und Metall verschmelzen hier zu einem Gesamtwerk. Trotz dieser massiven Verarbeitung läuft die Fokussierung über den ganzen Bereich butterweich, ohne Spiel und mit einem angenehm straffen Gegendruck. Genaues fokussieren wird damit zum Kinderspiel. Auch bei der Sonnenblende wird keine Ausnahme gemacht, aus Leichtmetall präzise gefertigt, und mit einem samtartigen Stoff ausgekleidet macht diese einen hochwertigen Eindruck. Anders als bei der Contax Serie von Zeiss ist die Sonnenblende abnehmbar, und damit auch austauschbar. Wenn die Sonnenblende am Objektiv sitzt, sorgt ein Bajonettverschluss für einen sicheren Halt, selbst der Transport mit aufgesetzter Sonnenblende ist kein Problem und hat sich bei mir zum Normalfall entwickelt. Dieser kompromisslose Einsatz von stabilen langlebigen Werkstoffen spiegelt sich wie erwartet im Gewicht wieder, mit 530g ist das Objektiv gefühlt doppelt so schwer wie das weit verbreitete Canon EF f1.8/50mm (Joghurtbecher). Für ein 50mm fällt der Durchmesser von 72mm auf den ersten Blick negativ auf, dieser erfüllt aber einen wichtigen Zweck, dazu aber später noch. Zeiss liefert dieses Objektiv mittlerweile in vier verschiedenen Ausführungen für verschiedene Spiegelreflexkameras (Nikon, Pentax, Canon, M42). In der EF-Variante besitzt das Objektiv eine elektrische Einheit, die die Blende steuert, sowie das beschossene Bild mit den korrekten Aufnahme Parametern versieht. Im Gegensatz zu den Zeiss Linsen älterer Semester geschieht die Fokussierung damit immer (oder durch Abblendtaste bei Arbeitsblende) bei Offenblende. Das arbeiten mit dem 2/50mm gestaltet sich durch diese kleinen Verbesserungen sehr komfortabel. Natürlich nur wenn man auf einen Autofokus verzichten kann, den besitzt kein Zeiss Objektiv der aktuellen Reihe. Bei mir soll das 2/50er Makro Planar die Rolle meiner Primärlinse, bzw. meines „Immerdrauf“ übernehmen. Im Testteil soll deswegen auch besonders Wert darauf gelegt werden, ob die Linse neben Makroaufnahmen auch in anderen Bereichen glänzen kann. 

Abbildungsleistung im Fokus:
Das größte Kapital der Linse ist die extrem hohe Grundschärfe über den gesamten Bildbereich, diese findet ihre Leistungsspitze wie erwartet im Makrobereich, aber auch die Leistung auf kurze Distanz kann, selbst bei Offenblende, als hervorragend  bezeichnet werden. Das macht sie auch zur einer guten Portrait-Linse, wenn man von der dafür nicht perfekten Brennweite absieht (60mm wären hier durchaus besser gewesen) . Durch abblenden lässt sich die Bildschärfe kaum noch steigern, dieses ist für ein Objektiv mit einer Offenblende von f2.0 sehr wünschenswert. Viele andere Objektive schaffen es nicht einmal durch abblenden an diese Schärfe heranzukommen, die dieses Objektiv bereits bei Offenblende liefert. Nur bei Aufnahmen von entfernten Objekten (weiter als 5m weg) lässt die Bildschärfe spürbar nach, ist aber immer noch auf hohem Niveau. Am deutlichsten macht sich der Schärfeabfall in den äußersten Ecken bemerkbar, wenn auch nicht besonders stark. Zeiss typisch erscheint das Farbspektrum der meisten Bilder deutlich wärmer, als mit vergleichbaren Objektiven von Canon. Ein besonderer Pluspunkt ist die kontrastreiche Wiedergabe in jeder Situation. Auch bei gleißender Mittagssonne lässt sich eine große Farbenpracht einfangen. Andere Bildfehler wie z.B. „chromatische Aberrationen“ sind hervorragend korrigiert, nur bei Offenblende sind sie je nach Motiv zumindest mal „erkennbar“. Dies variiert aber sehr stark mit dem Motiv, befindet man sich nicht in einer Gegenlicht-Situation wird man „chromatische Aberrationen“ vergebens suchen. Bei Offenblende ist eine geringe Randabschattung erkennbar, diese lässt sich aber durch leichtes Abblenden stark mindern (2.8). Durch moderates abblenden (4.0) verschwindet diese ganz aus dem Bild. Meist fällt die Vignette aber nicht ins Gewicht, außer bei Panoramaaufnahmen, dort würde ich eine Blende von mindestens 2.8 empfehlen (spart hier viel Ärger beim zusammenfügen der Bilder). Ansonsten lässt sich die Randabschattung auch wirkungsvoll als gestalterisches Element einsetzen, z.B. bei Motiven die einen natürlichen Rahmen besitzen, der betont werden soll.

Randabschattung bei Blende 2.0 deutlich sichtbar Leicht abgeblendet verschwindet diese schnell

Ein weiteres wichtiges, wenn nicht das wichtigste, Kriterium für viele ist die Darstellung der Unschärfe. Das Bokeh des Makro-Planar zeigt sich oft himmlisch sahnig, vor allem wenn sich im Hintergrund wenig Farbe mit wenig Details treffen. Auch bei mäßigen Details, und hohen Kontrasten schafft die Linsenkombination bei Offenblende einen ruhigen Hintergrund, hier einmal ein paar Beispiele:

Je nach Motiv kann das sonst eher schöne Bokeh zum Teil auch etwas wild wirken, siehe Bild oben (rechts), dieses wurde mit einer Blende von 3,5 aufgenommen. Zumeist zeigt sich das Makro-Planar aber von seiner „friedlichen“, ruhigen Seite. Alle Eigenschaften in einen Topf geworfen so hat Zeiss hier ein sehr leistungsfähiges Objektiv auf den Markt gebracht, welches durch gezieltes Bedienen konstante Ergebnisse verspricht. So gibt es zwar generell „die Schärfe“ des 50/2.0érs?, aber noch lange nicht „das Bokeh“ der Linse, hier hat der Fotograph Möglichkeiten das Bokeh gezielt durch Abbildungsmaßstab und Blende zu beeinflussen. Zwar sollte dass bei jedem Objektiv möglich sein, ich habe aber selten ein so großes Spektrum an Bokeh-Formen bei einem einzigem Objektiv sehen können. Ein hervorzuhebendes Detail ist der Übergang der „scharfen“ Ebene zum „unscharfen“ Hintergrund. Dieser Übergang gestaltet sich sehr harmonisch, so das sich das Fokussierte Objekt, vor allem wenn es nicht zu 100% in der scharfen Ebene liegt, unauffällig in das Gesamtbild setzt. Schaft man es hingegen komplett in die scharfe Ebene zu lenken bekommt man eine fast plastische Darstellung des Bildes. Die meisten sprechen hier von einem sog. 3D-Effekt.

Arbeiten mit dem 50er Zeiss Makro-Planar:
Das arbeiten mit dem Zeiss-Makro gestaltet sich als sehr angenehm. Im Gegensatz zu einer Linse, die per Adapter an die Kamera angeschlossen wird, funktionieren hier alle Automatik und Halbautomatik-Modi der Kamera anstandslos. Ein roter Leuchtpunkt, bzw. ein Piep-Ton signalisiert dem Benutzer dass ein Objekt als „scharf“ erkannt wurde. Die Fokus-Rückmeldung erfolgt recht präzise, ist aber kein Allheilmittel. Wer wirkliche Kontrolle über den Bildausschnitt möchte, sollte eine Schnittbildmattscheibe verwenden, die es für fast alle DSLR/SLR zu erwerben gibt. Auch LiveView schafft Abhilfe, ist aber (abgesehen vom Makrobereich) eher umständlich zu handhaben. Um von der „unendlich“-Stellung auf die Naheinstellgrenze von 24cm zu kommen (1:2 Abbildungsmaßstab) braucht es ca. 300°, also fast eine volle Umdrehung. Jetzt greift allerdings der große Durchmesser des Objektives, durch diesen ergibt sich eine ziemlich große Strecke um den Fokus korrekt zu setzen. Der Fokusbereich setzt sich wie folgt zusammen, ca. 50° decken den Bereich zwischen unendlich und 1m ab, und der Rest ist für den Makro-Bereich zuständig. Die Fokussierung von weit entfernten Objekten (weiter 5-10m) gestaltet sich als sehr einfach, da man lediglich den Fokusring  auf „Anschlag“ drehen muss, um selbst bei Offenblende ein scharfes Bild zu erhalten.

Filmen mit dem Makro-Planar:
Seit ich die 5DMKII Zuhause habe, spielt irgendwie auch der Video Modus eine Rolle für mich. Das Makro-Planar war das erste Objektiv mit dem ich mal versucht habe „ernsthaft“ Videoinhalte zu produzieren welche man sich gerne ein zweites mal anschauen würde. Meine ersten Gehversuche mit dem Video Modus der Canon 5DMKII habe ich mit diversen Autofokus-Objektiven von Canon gemacht (u.a. 300mm IS USM, 35-128mm IS USM). Beim filmen hat sich gezeigt, das es sehr schwierig ist hier während der Aufnahme den Fokus zu ändern, ohne das der Betrachter ein wackeln/ruckeln wahrnimmt. Das Zeiss Makro-Planar hat hier eine wirkliche Ausnahmeposition, durch den grossen Durchmesser des Objektives und den moderaten Gegendruck, die der Fokusring während des fokussierens ausübt erreicht man auch als Anfänger, ohne eine spezielle Videoausrüstung (Videoneiger, Rails usw…) erstaunlich schnell Ergebnisse die um ein vielfaches besser aussehen als die anderer Objektive. Auch der sanfte Übergang zwischen Schärfe/Unschärfe bringt die Video ein harmonisches Gesamtbild, welches recht plastisch wirkt.

Testvideo an der Canon 5DMKII:

Persönliches Resultat des Testzeitraumes:
Ich besitze die Linse nun schon fast einen Monat, in diesem Monat habe ich so gut wie nie das Objektiv gewechselt. Nur bei Aufnahmen im Studio habe ich zum 70-200 f2.8 IS USM von Canon gegriffen, bzw. im weiteren Makrobereich zu einem Meyer Trioplan 2.8/100mm mit Balgen (Abbildungsmaßstab 2:1). Das machte aber einen ziemlich kleinen Teil aus. Bei allen anderen Situationen bin ich mit dem 50er Makro-Planar ausgekommen (und zwar gerne). Gerade die hohe Abbildungsleistung über den Gesamten Bereich, die immer noch hohe Lichtstärke von 2.0 und die farbenfrohe Wiedergabe, macht diese Linse für mich ideal. Wer jetzt darüber spekuliert, ob das 50/1.4 von Zeiss nicht eine besser Wahl wäre sollte daran denken, das die Naheinstellgrenze hier sehr schnell zu einem limitierenden Faktor wird. Eine Blume am Wegessrand, ein schönes Blatt im Wind oder eine anderes Detail geht schnell verloren. Zum Vergleich ein normales 50mm Objektiv hat bei einer Naheinstellgrenze von 45cm (entspricht dem Zeiss 50mm/1.4) einen Abbildungsmaßstab von 1:8 am Vollformartsensor. Zwar ist eine Blende mehr Licht in diesem Bereich gerade in der Dämmerung von Vorteil, aber durch die ständige Weiterentwicklung der Sensoren, insbesondere der Rauschempfindlichkeit nicht mehr so relevant wie vor einigen Jahren. Ein weiteres Kriterium für mich war das ruhigere Bokeh des 50/2 Makro-Planar, dort hätte ich beim 50/1.4 von Zeiss zu viele Abstriche machen müssen. Die Darstellung der Unschärfe des 50/1.4 gleicht doch eher einer impressionistischen Fassung des gewählten Motivs. Oder kurz ausgedrückt: Das Makro-Planar 2/50mm ZE ist eine wahre „Eier-legende-Wohl-Milch-Sau““, ich habe mein „Immerdrauf“ Objektiv für die nächsten Jahre gefunden.

Nun auch mehr Testbilder online: http://pascalstingl.ch/?p=2083

Zusätzliche Informationen:
SLRGear.com Ein anderer Testbericht, hier werden „gemessene“ Ergebnisse herangezogen
Zeiss.de Hersteller des 50/2 Makro-Planar ZE
Digiloyd.com Kostenpflichtiger Testbericht, dafür sehr umfangreich
Focusing Screen Schnittbildmattscheiben für die 5DMKII u.a. (sind nicht 100% deckungsgleich mit dem „Ring“ der im Sucher zu sehen ist, aber sehr gut zum scharf stellen. Bei dem Problem mit dem Ring handelt es sich ausschließlich um ein kosmetisches Anliegen.

Beispielbilder der Linse:
für Informationen mit dem Mauszeiger über die Bilder fahren! Eine unkomprimierte Fassung der Bilder ist durch drauf klicken erhältlich, Bilder sind (bis auf vereinzelnde Belichtungskorrekturen) direkt aus der Kamera (+Lightroom Export nach .jpg). Aber vorher noch ein paar .dng´s zum Download: DNG-Paket

3 Comments

  1. by Tom on 13 Juli, 2010  12:03

    Hallo Pascal,
    ich kann die Leidenschaft für die Zeiss-Optiken sehr gut nachvollziehen. Ich nutze das 35 Distagon, 50 Planar und 100 (Makro-Planar). Die sehr gute Verarbeitung, Haptik und Abbildungsleistung trifft auf alle Zeiss-Optiken (ZE) zu, die Fokussierung des 100er-Makros ist mit dem von Dir beschriebenem 50er-Makro vergleichbar (340°) - was ich als sehr vorteilhaft empfinde. Die beste Erfahrung habe auch ich mit dem Makro gemacht.
    Es ist ein traumhaftes Werkzeug.
    Lieben Gruß aus Duisburg
    Tom

  2. by Willi "praktinafan" Bauer on 6 Mai, 2010  07:00

    Hi Pascal,

    ein tolles Objektiv. Ich kann sehr gut nachfühlen, welche Begeisterung du für die Leistung eines lichtstarken Makros hast. Kompromisslose Schärfe, tolle Farben, herrliche Flexibilität für fast alle Foto-Situationen, das wünscht sich doch jeder Fotograf, und das Zeiss bietet all das.

    Ich kann es auch nachfühlen, da ich mit dem Zuiko OM Macro 2/50 ähnlich gute Erfahrungen gemacht habe und mache.

    Gratulation!

    Gut Licht und gute Motive wünscht
    (den Rest kannst du selbst!)
    Willi aus Nürnberg

  3. by Moritz Schwertner on 5 Mai, 2010  22:30

    RESPEKT, das Zeiss schaut mehr als "brauchbar" aus! :-P

    Sehr schöne Foto Auswahl!

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