Informationsflut Photographie

Vieles was ich über die Photographie gelernt habe, stammt aus Büchern und Foren. Viele der angebotenen Informationen enthalten aber oft nur oberflächliche „flache“ und wenig anspruchsvolles. Scheint leider eine hässliche Begleiterscheinung unserer Tage zu sein. Während aktuelle Bücher meist Kapitel weise mit Technik und Einstellungen um sich schmeißen, und auch das vorletzte Kapitel eines Buches immer noch versucht das Bild auf technische Parameter zu reduzieren, finden Hinweise auf den wirkungsvollen und „korrekten“ Einsatz von Bildsprache keinen Platz. Dies betrifft aber lange nicht alle Bücher die gerade auf dem Markt sind, ein paar davon möchte ich euch in den nächsten Tagen noch näher vorstellen. Um das ganze deutlich zu machen, habe ich hier ein schönes Zitat aus einem „Lehrbuch“ von 1957. Der Autor schreit in der Rubrik der Aufnahme Tipps (an erster Stelle):

So beweglich wie die Kleinkamera muss auch der Kleinbildamateur sein. Die Kleinbildkamera, in geschickten Händen, ist wie das Präzisionsgewehr in den Händen eines Scharfschützen. Zweck der Kleinkamera ist es vor allem, bewegtes, wechselvolles, buntes Leben, einzufangen. Die Art freilich, wie der Schütze sein Ziel angeht und welches Ziel er angeht, ist nicht lehrbar. Die Leistungen der Könner sind nur zur Hälfte fotografische. Sie liegen in der Persönlichkeit begründet. Das Technische kann man lernen. Nicht lernen kann man: Aufgeschlossenheit, Spürsinn, Talent. Nichts läuft von selbst in die Kamera, allem muss man nachlaufen, Dingen wie Menschen. Regie-Talent und persönlicher Charme sind oft wichtiger als die beste Kamera, der beste Film, die gründlichsten Kenntnisse. Die Leistungen der wenigen großen Könner sind deshalb nicht ans Fotografische gebunden, sondern an die Persönlichkeit. Fotografieren und sogar sehr gut fotografieren können heute viele. Immer ist es der Mann, der „Kerl“, das menschliche Format, das den Ausschlag gibt, immer ist es die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Leistung. Die großen Leistungen liegen bereits jenseits des Technischen, das dann eine Selbstverständlichkeit ist. Nie erreichbar sind sie dem, der nicht über die Technik verfügt. Die Technik ist nicht schwierig. Sie ist erlernbar und über das Erlernbare ist zu sprechen. (Seite 46, Aufnahmetipps)

Entnommen aus dem Buch: Neue Foto-Schule Teil 1 die Technik (Hans Windisch)
13. Auflage erschienen im Heering Verlag 1957

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